Gemeinsam mächtiger als allein

🍷 Wer verändert mehr: der, der entscheiden darf, oder der, der andere zum Mitmachen bewegt?

In einem Produktteam steht die Umstellung auf eine neue Technologie an. Die Teamleiterin hat die formale Macht, sie kann entscheiden und anordnen. Aber sie weiß auch: Wenn das Team nicht versteht, warum dieser Schritt sinnvoll ist, wird die Umstellung scheitern.

Also macht sie etwas anderes. Sie teilt ihre Gestaltungsmacht. Sie lädt ihr Team ein, gemeinsam die Optionen zu bewerten. Sie gibt ihren Kolleg:innen Zugang zu allen Informationen, die sie selbst hat. Sie fragt nach ihren Perspektiven, ihren Bedenken, ihren Ideen.

Was passiert? Sie werden zu Verbündeten. Sie verstehen die Entscheidung, weil sie Teil davon waren. Sie tragen sie weiter, beantworten Fragen, nehmen Bedenken ernst. Plötzlich gibt es nicht mehr eine Person, die etwas durchsetzen muss, sondern ein Team, das gemeinsam etwas möglich macht.

Die Teamleiterin hat an formaler Macht nichts verloren, aber an Wirksamkeit gewonnen, weil geteilte Macht nicht weniger wird, sondern mehr.

Und die Kolleginnen und Kollegen? Sie haben etwas entdeckt, das im Englischen „Agency“ heißt und für das wir im Deutschen kein gutes Wort haben: die Erfahrung, selbst wirksam zu sein. Nicht ausführen, was andere entschieden haben, sondern mitgestalten. Nicht warten, bis jemand eine Lösung bringt, sondern Teil der Lösung sein.

Gestaltungsmacht hat zwei Gesichter: die formale Macht der Position und die informelle Macht durch Initiative. Wer allein entscheidet, nutzt nur die eine. Wer andere einbezieht, aktiviert beide.

Co-Creation bedeutet: Macht nicht horten, sondern teilen. Nicht kontrollieren, sondern befähigen. Nicht allein stark sein wollen, sondern gemeinsam stärker werden.

Wo hast du vielleicht mehr Gestaltungsmacht, als du denkst?

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