MACHTzusammenspiel

🥜 Gestaltungsmacht hat zwei Gesichter: Formale Macht der Position. Informelle Macht durch Initiative. Macht was daraus.

Kleinstadt, 18.000 Einwohner. Der Einzelhandel kämpft ums Überleben, junge Menschen ziehen weg, die Innenstadt wird zum Dornröschenschlaf verdammt. Im Rathaus stapeln sich Konzepte externer Beratungen. In den Bürgersprechstunden kommen immer dieselben Beschwerden.

Die formale Macht liegt bei Bürgermeister, Stadtrat, Wirtschaftsförderung, Ordnungsamt. Sie können Bebauungspläne ändern, Fördermittel beantragen, Genehmigungen erteilen, Straßen sperren. Aber ohne konkrete Ideen und Menschen, die sie umsetzen, bleibt alle formale Macht wirkungslos.

Andererseits: Eine Gruppe von Bürgern entwickelt ein Konzept für regelmäßige Kulturnächte. Gastronomen wollen ihre Öffnungszeiten koordinieren. Einzelhändler planen gemeinsame Aktionen. Künstler träumen von Pop-up-Spaces in leerstehenden Läden.

Alle haben Ideen, Energie, Zeit. Aber keine formale Macht. Sie können keine Straßen für Veranstaltungen sperren, keine Sondernutzungserlaubnis erteilen, keine Fördergelder freigeben.

Formale Macht ohne Ideen ist leer. Informelle Macht ohne Umsetzung ist Träumerei. Hier liegt das Dilemma vieler Veränderungsvorhaben: Die, die formal entscheiden können, wissen oft nicht, was konkret gebraucht wird. Die, die wissen, was gebraucht wird, können oft nicht formal entscheiden.

Co-Creation bedeutet: Beide Machtformen bewusst zusammenbringen. Die Bürgergruppe organisiert die erste Kulturnacht – ohne Genehmigung, klein, als Test. Sie schaffen Fakten, zeigen Machbarkeit, gewinnen Aufmerksamkeit.

Das Rathaus sieht: Hier bewegt sich was. Menschen nehmen Initiative, statt nur zu kritisieren. Die Stadt kann diese Energie nutzen, unterstützen, formal absichern.

Macht wartet nicht darauf, verliehen zu werden. Macht wird genommen. Plötzlich entsteht ein produktives Wechselspiel: Informelle Initiative schafft Momentum, formale Macht schafft Rahmen. Die Bürgergruppe hat durch ihre Aktion informelle Macht gewonnen, Menschen folgen ihrer Vision. Das Rathaus kann diese informelle Macht nutzen, um seine formale Macht sinnvoll einzusetzen.

Das Ergebnis ist wirksamer als Top-down-Planungen oder Bottom-up-Träumereien allein. Weil beide Machtformen das tun, was sie am besten können: Position ermöglicht, Initiative gestaltet.
Wo wartest du auf formale Macht – und welche informelle Macht nutzt du nicht?

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