Warum Heldendenken uns beschränkt

🥜 Held:innen retten die Welt. Ensembles verwandeln sie.

Kennt ihr diese Person in eurer Organisation? Die, die immer die Lösung hat. Die im letzten Moment das Projekt rettet. Die nachts noch E-Mails beantwortet, weil sonst alles zusammenbricht. Die über alle Themen Bescheid weiß und bei der alle Fäden zusammenlaufen.

Wir nennen sie gern Helden. Bewundern ihre Leistung, ihre Kompetenz, ihr Commitment. Die Heldenreise ist tief in unserer westlichen Kultur verankert. Ein Einzelner überwindet Hindernisse und rettet die Situation. Das Narrativ ist stark. Und es ist riskant.

Denn Heldendenken beschränkt. Alle Beteiligten.

Es beschränkt die „Helden“ selbst. Sie werden weniger empfänglich für Input anderer. Sie übernehmen zu viel, tragen zu viel allein, brennen aus. Sie glauben, alles selbst wissen und können zu müssen. Das funktioniert bei linearen, vorhersehbaren Problemen. Bei Komplexität versagt es.

Es beschränkt die anderen. Sie werden passiv, warten auf Rettung von außen, entwickeln ihre eigene Gestaltungskraft nicht. „Der Held wird’s schon richten“ verhindert Eigenverantwortung. Menschen lassen andere Themen treiben, statt es selbst zu tun.

Und es beschränkt die Organisation. Wenn einer Person das ganze Wissen, die ganzen Verbindungen, die ganze Übersicht gehören, entsteht eine gefährliche Abhängigkeit. Was passiert, wenn diese Person krank wird? Im Urlaub ist? Den Job wechselt?

Und vor allem: Was, wenn die Person gar nicht richtig liegt?

Co-Creation denkt anders. Nicht in Helden, sondern in Ensembles. Ein Ensemble meint ein Zusammenspiel verschiedener Menschen mit unterschiedlichen Stärken, die gemeinsam etwas schaffen, das keine und keiner allein könnte.

In einem Ensemble gibt es keine Hauptrolle, die alles trägt. Es gibt Spezialisierungen, Expertise, unterschiedliche Perspektiven. Jemand hat den Überblick über technische Details, jemand kennt die Kundenbedürfnisse, jemand versteht die strategischen Zusammenhänge. Gemeinsam entsteht das Gesamtbild.

Was macht den Unterschied? Helden retten Situationen, Ensembles verändern Strukturen. Helden lösen Krisen, Ensembles verhindern sie. Helden funktionieren bei linearen Problemen, Ensembles meistern Komplexität.

Co-Creation schafft Ensembles. Sie verteilt Gestaltungsmacht so, dass nicht eine Person alles tragen muss. Sie macht sichtbar, wer welchen Beitrag leisten kann. Sie schafft Räume, in denen unterschiedliche Expertisen zusammenkommen.

Wo wartet deine Organisation noch auf Helden? Und wo könntet ihr stattdessen Ensembles aufbauen?

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